
Es gibt sie immer wieder mal, diese Glücksfälle, diese seltenen Treffer mitten ins Herz der zeitlosen Jazzgitarre-Seele, die Crobu, Kagerer und Dombert, Radoni, Hierdeis, Protzer, Bossard. Manche sind schon lange "da" und legen - plötzlich oder auch nur gewohnheitsmäßig - Offenbarungen vor; andere überraschen aus dem Hinterhalt plötzlich verlassener Anonymität und bereichern über Nacht die nimmersatte, weil schon länger ein bisschen inflationäre Szene.
Einer dieser Überrascher ist der Braunschweiger Dietmar Osterburg, 44, der mit einem Trio-Album die Szene endgültig betritt, das Bedauern darüber auslöst, ihn nicht längst gekannt zu haben.
Hier gezwungen zur Kürze, sei es laut und ungehemmt herausgejubelt: "For A While" ist ein Schatz, eine Offenbarung, eine Riesenfreude und auch noch - ganz nebenbei - aus einer Region, die sich ja bislang in Sachen Jazzgitarre nicht sonderlich hervorgetan hat. Es ist das Album der Superlative schlechthin, die wunderbare Tat eines wunderbaren Trios - mit André Neygenfind (b) und Eddie Filipp (dr) -, ein Album, dem ganz einfach überhaupt nichts fehlt. Die drei geben ihr allerbestes, also: viel. Dietmar, ein Gitarrist von verblüffend starker, intensiver Aussagekraft, ganz markanter, persönlicher Stimme und außerordentlich sicherem Sinn für gekonntes "spacing", linear, akkordisch oder (wie in der langen Intro zu "Für Udo") chord melody/fingerstyle, lässt keinen Wunsch unerfüllt. Der Sound ist nahezu klassisch, sieht man ab vom dem in "What´s the Odds", einem wohlgelungenen Ausflug in equipmentmäßig modernere Gefilde. Sein improvisatorischer Haushalt verfügt über schier unbegrenzte Möglichkeiten; seine Beherrschung auch der raschen, dramaturgisch immer ganz "auf den Punkt" eingesetzten Wechsel von Singlenotes zu Akkordik, das Spiel mit den zu Gebote stehenden Möglichkeiten, ist von ganz ähnlicher Faszination wie die Unerschöpflichkeit und Pointiertheit seiner linearen Statements und Exkurse. Sein Spiel ist zupackend und, vor allem, von überraschend ausgereifter, wirklich heutzutage ganz erstaunlich eigener Handschrift.
So passiert in diesen erstklassigen elf Titeln also jede Menge, immerzu, vor allem auch innerhalb des Klangkörpers mit all seiner orchestralen Fülle. Es geht spannend zu, musikalisch meisterhaft und sicher zwischen klassischer Moderne und Neobop, unerschöpflich, kraftvoll, tadellos, souverän, elegant, zugleich immer wieder auch ganz down to earth und, kurzum, von A bis Z überzeugend.Glückliches Braunschweig! Mindestens fünf Sterne. Oder so viele, wie Ihr drei tragen könnt!
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